KW 34 / 2026 · 17. August 2026

ERBWERT Marktbericht KW 34/2026

Die Bundesanleihe klettert auf ein 15-Jahres-Hoch, die Inflation zieht wieder an, und die KfW erweitert gleich zwei Förderprogramme spürbar. Erstmals mit Real-Betrachtung der Preisentwicklung neben den nominalen Werten. Die wichtigsten Entwicklungen für Eigentümer, Käufer und Investoren in der Region.

Delmenhorst, Oldenburg, Ganderkesee, Hude, Stuhr, Lemwerder

Einordnung

Dieser Bericht bezieht sich auf den Zeitraum vom 11. bis 17. August 2026 und stützt sich ausschließlich auf öffentlich zugängliche Quellen. Erstmals werden Preisentwicklungen zusätzlich zur nominalen auch in realer Betrachtung ausgewiesen. Die MFH-Trennung von ETW/EFH ist für diese Region öffentlich noch nicht verlässlich verfügbar und wird nachgereicht, sobald die interne Datenbank ausreichend Fälle enthält.

Zinsmonitor: Bundesanleihe auf 15-Jahres-Hoch

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ist von 2,88 Prozent Mitte Juli auf aktuell rund 3,20 Prozent gestiegen und nähert sich damit einem 15-Jahres-Hoch. Hintergrund sind steigende Ölpreise infolge der Iran-Krise und dadurch wieder aufkeimende Inflationssorgen am Kapitalmarkt. Die Bauzinsen sind diesem Anstieg bislang nur teilweise gefolgt und bewegen sich weiterhin in einer Spanne von 3,3 bis 4,6 Prozent, der Topzins bleibt bei rund 3,7 bis 3,9 Prozent stabil.

Inflation zieht an, Energie treibt die Rate

Die deutsche Inflationsrate ist im Juli 2026 auf 2,8 Prozent gestiegen, nach 2,3 Prozent im Juni. Destatis bestätigte am 12. August die vorläufigen Werte. Haupttreiber sind die Energiepreise mit einem Anstieg von 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, während die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel mit 2,4 Prozent vergleichsweise moderat bleibt.

Förderausweitung: KfW erweitert zwei Programme

Die KfW hat Anfang August das Programm Jung kauft Alt deutlich verbessert. Familien mit einem Kind können jetzt bis zu 140.000 Euro Kredit für den Kauf und die energetische Sanierung einer Bestandsimmobilie erhalten, bei zwei Kindern 160.000 Euro, bei drei oder mehr Kindern 180.000 Euro, jeweils deutlich über den bisherigen Höchstbeträgen. Der effektive Zinssatz liegt bei rund 0,53 Prozent für 35 Jahre Laufzeit. Parallel ist das neue Programm Gewerbe zu Wohnen gestartet, das die Umwandlung leerstehender Gewerbeflächen in Wohnraum mit bis zu 30.000 Euro je Wohneinheit fördert, ausgestattet mit einem Gesamtbudget von 300 Millionen Euro für 2026.

Preisentwicklung nominal und real: Delmenhorst im Fokus

In Delmenhorst sind die Angebotspreise für Eigentumswohnungen im Jahresvergleich nominal um 3,0 Prozent gestiegen, für Häuser um 5,0 Prozent. Zieht man die Inflationsrate von 2,8 Prozent ab, verbleibt real ein Zuwachs von rechnerisch rund 0,2 Prozent bei Wohnungen und 2,2 Prozent bei Häusern. Das bedeutet: Wohnungen haben real kaum an Wert gewonnen, während Häuser auch inflationsbereinigt spürbar teurer geworden sind. Diese Realwert-Betrachtung ist als Markt- und Verhandlungssignal zu verstehen, nicht als automatischer Abschlag für ein konkretes Objekt.

Einschätzung für Eigentümer

Die neue KfW-Förderung für Jung kauft Alt macht sanierungsbedürftige Bestandsimmobilien für junge Familien deutlich attraktiver und kann die Zielgruppe für entsprechende Objekte in der Region vergrößern. Bei der Preiskommunikation gegenüber Kaufinteressenten kann die reale, inflationsbereinigte Wertentwicklung ein sachliches Argument sein, insbesondere bei Häusern.

Einschätzung für Käufer

Der Anstieg der Bundesanleihe-Rendite ist ein Frühindikator, dem die Bauzinsen mit einiger Verzögerung folgen können. Wer eine Finanzierung plant, sollte diese Entwicklung im Blick behalten. Für Familien mit Kindern lohnt ein genauer Blick auf die verbesserten Konditionen von Jung kauft Alt, da sich die Förderhöchstbeträge spürbar erhöht haben.

Einschätzung für Investoren

Das neue Programm Gewerbe zu Wohnen kann für Investoren mit Zugang zu leerstehenden Gewerbeflächen ein zusätzlicher wirtschaftlicher Hebel sein, sofern sich ein Umnutzungspotenzial im regionalen Bestand identifizieren lässt. Die divergente reale Preisentwicklung zwischen Wohnungen und Häusern in Delmenhorst spricht bei der Objektauswahl tendenziell für Einfamilienhäuser als wertstabileres Segment, ohne dass daraus eine pauschale Kaufempfehlung abzuleiten ist.

Kennzahlen
10-jährige Bundesanleihe
3,20 %, höchster Stand seit 15 Jahren

Gestiegen von 2,88 % Mitte Juli auf rund 3,20 % Anfang bis Mitte August 2026, getrieben von Ölpreis- und Inflationssorgen im Zuge der Iran-Krise (Quelle: Deutsche Finanzagentur, Trading Economics, Stand 11.-15.08.2026). Ampel: rot, deutlich steigend.

Bauzinsen
3,3 bis 4,6 %

Marktkorridor für zehnjährige Zinsbindungen Mitte August 2026, Topzins weiterhin bei rund 3,7 bis 3,9 %, Anbieter uneinheitlich (Quelle: Finanztip, Baufi24, Vergleich.de, Stand 05.-16.08.2026). Ampel: gelb, uneinheitliche Bewegung.

Inflation Deutschland
2,8 % (Juli 2026, final bestätigt)

Gestiegen von 2,3 % im Juni auf 2,8 % im Juli, Energiepreise Haupttreiber mit +8,3 % gegenüber Vorjahr, Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel bei 2,4 % (Quelle: Destatis, Pressemitteilung Nr. 283 vom 12.08.2026).

KfW-Förderausweitung
Jung kauft Alt bis 180.000 Euro

Seit 3. August 2026 deutlich höhere Kreditsummen für Familien beim Bestandserwerb (1 Kind: 140.000 Euro, 2 Kinder: 160.000 Euro, 3+ Kinder: 180.000 Euro). Neues Programm Gewerbe zu Wohnen mit Zuschüssen bis 30.000 Euro je geschaffener Wohneinheit, Gesamtbudget 300 Millionen Euro für 2026 (Quelle: KfW, Stand 03.-10.08.2026).

Preisentwicklung Delmenhorst (ETW/EFH)
Nominal +3,0 % (Wohnungen) / +5,0 % (Häuser) YoY

Portal-Angebotspreise zum 01.07.2026 gegenüber Vorjahr, Wohnungen von 2.201,80 auf 2.267,81 Euro/m², Häuser von 2.150 auf 2.257 Euro/m² (Quelle: Immoportal). Real, also abzüglich der Inflationsrate von 2,8 %, ergibt sich rechnerisch ein Zuwachs von rund 0,2 % (Wohnungen) bzw. 2,2 % (Häuser) YoY. MFH-Segment kann für diese Region mangels belastbarer öffentlicher Datenquelle aktuell nicht separat ausgewiesen werden, Aufbau der eigenen Markt-Intelligence-Datenbank soll das perspektivisch schließen.

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